×
StartseiteÜber unsLexikon der ElastomertechnikGlossar-Begriff

Elastizität bei Elastomeren

Elastizität bezeichnet die Fähigkeit eines Werkstoffs, nach einer mechanischen Belastung vollständig in seine ursprüngliche Form zurückzukehren. Die aufgebrachte Energie wird dabei gespeichert und bei Entlastung wieder abgegeben – der Werkstoff „federt" zurück. In der Elastomertechnik ist Elastizität keine bloße Materialeigenschaft, sondern die Grundvoraussetzung dafür, dass Dichtungen, Dämpfer und Federelemente ihre Funktion dauerhaft erfüllen können.

Linear-elastisches und nicht-linear-elastisches Verhalten

In der Werkstoffkunde unterscheidet man zwei grundlegende Formen der Elastizität:

Beim linear-elastischen Verhalten verformt sich ein Werkstoff proportional zur aufgebrachten Belastung – verdoppelt sich die Kraft, verdoppelt sich die Verformung. Dieses Verhalten beschreibt das Hooksche Gesetz und gilt für elastische Körper, wie Metallstäbe, Federn oder Keramik im unteren Belastungsbereich.

Elastomere folgen allerdings einem anderen Prinzip: Sie zeigen nicht-lineares elastisches Verhalten, auch Gummielastizität genannt. Bei kleinen Deformationen steigt die Rückstellkraft zunächst moderat an; bei größeren Deformationen – wenn die Polymerketten stärker gestreckt werden – nimmt die Steifigkeit deutlich zu.

Die Spannungs-Dehnungs-Kurve eines Elastomers ist damit charakteristisch S-förmig. Das ermöglicht eine hohe Dehnbarkeit bei gleichzeitig progressiver Kraftzunahme – ein Verhalten, das für viele Anwendungen in der Dichtungs- und Dämpfungstechnik gezielt genutzt wird.

Gummielastizität: ein molekulares Phänomen

Die Ursache für dieses Verhalten liegt in der Molekularstruktur von Kautschuk: Lange, flexible Polymerketten liegen im unbelasteten Zustand statistisch geknäuelt vor. Unter Zugbelastung strecken sie sich – entropieelastisch, nicht energieelastisch wie bei Metallen. Das vernetzende Polymernetzwerk, das durch die Vulkanisation entsteht, begrenzt die maximale Streckbarkeit der Ketten und sorgt dafür, dass die Rückstellkraft erhalten bleibt.

Diese Entropieelastizität erklärt auch eine Besonderheit, die Elastomere von Metallen unterscheidet: Die Steifigkeit von Gummi nimmt mit steigender Temperatur zu – bei Metallen ist es umgekehrt. Ein erwärmtes Elastomer zieht sich bei Dehnung stärker zusammen als ein kaltes. Hierbei handelt es sich um den Gough-Joule-Effekt.

Elastizität und Viskoelastizität

Kein reales Elastomer ist rein elastisch. Tatsächlich zeigen alle Gummiwerkstoffe viskoelastisches Verhalten: Neben dem elastischen Anteil, der die Energie reversibel speichert, gibt es einen viskosen Anteil, der einen Teil der Energie als Wärme dissipiert. Diese Hysterese ist der Grund, warum Elastomere Schwingungen und Stöße nicht nur federn, sondern auch dämpfen.

Der Anteil dieser Dämpfung – der sogenannte Verlustfaktor – ist werkstoff- und temperaturabhängig. In der Dichtungstechnik ist ein hoher elastischer Anteil erwünscht: Eine O-Ring-Dichtung soll möglichst viel ihrer eingebrachten Vorspannung über die gesamte Einsatzdauer erhalten. Der Druckverformungsrest ist der praktische Kennwert, der abbildet, wie viel von der elastischen Rückstellkraft nach dauerhafter Belastung und Wärmeeinwirkung noch vorhanden ist.

Elastizität als Auslegungskriterium

Für die Auswahl des richtigen Werkstoffs und Compounds ist das Elastizitätsverhalten in mehrfacher Hinsicht relevant:

  • Dichtungsanwendungen erfordern ausreichende Elastizität, um Fertigungs- und Montagetoleranzen auszugleichen und auch bei Temperaturwechseln dauerhaft an der Dichtfläche anzuliegen
  • Dämpfungs- und Lagerelemente nutzen das typische viskoelastische Verhalten von Elastomeren – sie vereinen elastische Rückstellung mit einem viskosen Anteil, bei dem gezielt Bewegungsenergie in Wärme umgewandelt wird, um Schwingungen zu reduzieren
  • Dynamisch belastete Dichtungen – etwa in Hydraulikzylindern oder rotierenden Wellen – müssen über viele Lastwechsel hinweg ihre elastischen Eigenschaften behalten, ohne zu ermüden oder durch Wärmeentwicklung zu schädigen

Die Elastizität eines Elastomers hängt wesentlich vom Kautschuktyp, der Vernetzungsdichte und dem Füllstoffpaket ab – und verändert sich mit Temperatur, Alterung und Deformation. Werkstoffe mit sehr gutem Rückstellvermögen über einen breiten Temperaturbereich – wie peroxidisch vernetztes EPDM oder FKM bzw. FPM – sind in anspruchsvollen Daueranwendungen entsprechend gefragt.

Elastizität bei Elastomeren


Zurück zur Liste

Ansprechpartner

Nach oben