Druckverformungsrest (DIN EN ISO1856)
Der Druckverformungsrest beschreibt, wie viel bleibende Verformung ein Elastomer nach einer definierten, länger andauernden Zusammendrückung behält. Oder anders gesagt: Er gibt an, wie gut ein Gummibauteil nach einer Druckbelastung wieder in seine ursprüngliche Form zurückkehrt – ein zentraler Kennwert für die Langzeitdichtwirkung von O-Ringen, Profilen und Flachdichtungen.
Im Prüfaufbau wird ein Probekörper (z. B. Zylinder oder Scheibe) auf einen festgelegten Anteil seiner ursprünglichen Höhe komprimiert – etwa um 25 % – und bei konstanter Verformung über eine bestimmte Zeit und Temperatur gehalten. Nach der Entlastung misst man, wie stark sich die Probe zurückstellt.
Die Kennzahl Druckverformungsrest wird als Prozentsatz angegeben:
- 0 % → Probe stellt sich vollständig zurück (idealer, rein elastischer Fall)
- 100 % → Probe bleibt vollständig in der verformten Höhe (keine Rückstellung)
In der Praxis liegen realistische Werte je nach Werkstoff, Temperatur und Prüfzeit dazwischen – je niedriger der Wert, desto besser ist das Rückstellvermögen des Elastomers.
Prüfbedingungen und Normen
Der Druckverformungsrest wird nach genormten Prüfverfahren ermittelt, z. B.:
- kompakte Vulkanisate / Elastomere: DIN ISO 815-1 / -2
- flexible zellige Materialien (Schaumstoffe): DIN EN ISO 1856
Typische Prüfbedingungen sind zum Beispiel:
- 72 h bei Raumtemperatur
- 24 h bei 70 °C
- weitere Kombinationen (z. B. 22 h bei 100 °C oder 150 °C) je nach Anforderung, Werkstoff und Normvorgabe
Prüfzeit und Temperatur werden so gewählt, dass sie die geplante Anwendung möglichst realistisch abbilden – etwa Dauerbelastung in warmem Wasser, heißem Öl oder Umgebungsluft.
Einflussgrößen auf den Druckverformungsrest
Der Druckverformungsrest eines Elastomers hängt unter anderem ab von:
- der Elastomerart (z. B. NBR, EPDM, VMQ, FKM, FFKM)
- der Vernetzungsart (schwefelförmig vs. peroxidisch vernetzt)
- Füllstoffen und Additiven in der Gummimischung
- der Prüftemperatur und Prüfzeit
- der Höhe der Kompression (Verformungsgrad)
Ein gut optimierter Werkstoff zeigt auch nach langer Druckbelastung und erhöhter Temperatur nur einen geringen Druckverformungsrest und damit eine hohe Rückstellfähigkeit.
Bedeutung in der Dichtungstechnik
In der Dichtungstechnik ist der Druckverformungsrest ein Schlüsselkriterium für:
- O-Ringe in statischen Dichtstellen
- Flachdichtungen und Profildichtungen, die dauerhaft komprimiert werden
- Profil- und Formdichtungen in Gehäusen, Deckeln oder Flanschverbindungen
Mit zunehmender Betriebszeit, Temperatur und Medienbelastung baut sich die anfängliche Vorspannung einer Dichtung ab. Ein hoher Druckverformungsrest bedeutet, dass die Dichtung weniger „zurückfedert“ und der Anpressdruck sinkt – im Extremfall bis zur Leckage. Ein niedriger Druckverformungsrest ist daher entscheidend für eine dauerhaft dichte Verbindung, etwa in Hydrauliksystemen, Prozessanlagen oder Hausgerätetechnik.
Synonyme / verwandte Begriffe: Compression Set, Druck-Verformungsrest, Druckrestverformung, bleibende Verformung unter Druck.

Ansprechpartner