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Compounding

Compounding bezeichnet den Herstellungsprozess einer Gummimischung – also den Schritt, bei dem aus einer definierten Rezeptur mit einzelnen Bestandteilen ein verarbeitungsfähiger Werkstoff entsteht. Steht das Compound für die Zusammensetzung, beschreibt Compounding den Prozess: das Einwiegen, Dosieren und homogene Vermischen aller Bestandteile unter kontrollierten Bedingungen.

Das Ergebnis ist eine unvulkanisierte Gummimischung, die anschließend durch Extrusion, Spritzguss oder Pressen in Form gebracht und dann vulkanisiert wird.

Ablauf des Compounding-Prozesses

Der Prozess beginnt mit der genauen Dosierung aller Rezepturbestandteile:Kautschuk, Füllstoffe, Weichmacher, Alterungsschutzmittel und Vernetzungschemikalien werden nach Vorgabe der Rezeptur eingewogen. Abweichungen – selbst im Zehntelprozent-Bereich – können die späteren Werkstoffeigenschaften messbar beeinflussen.

Das eigentliche Mischen erfolgt in zwei gängigen Maschinentypen:

Innenmischer (Kneter): Der Kautschuk und die Hauptbestandteile werden in einem geschlossenen Mischraum unter Druck und Temperatur verknetet. Innenmischer ermöglichen eine intensive, reproduzierbare Durchmischung und werden bevorzugt in der Serienfertigung eingesetzt. Typische Mischtemperaturen liegen je nach Kautschuktyp und Rezeptur zwischen 80 °C und 160 °C. Die dabei entstehende Friktionswärme muss durch Kühlung des Mischraums aktiv abgeführt werden: Steigt die Temperatur unkontrolliert an, reagiert das Vernetzungssystem bereits im Kneter – die gesamte Charge vulkanisiert an und ist unbrauchbar.

Walzwerk (offene Walzmühle): Zwei gegenläufige, meist wassergekühlte Walzen plastifizieren und homogenisieren die Mischung. Da durch die hohen Scherkräfte beim Kneten erhebliche Friktionswärme entsteht, muss die Walzentemperatur strikt kontrolliert werden – besonders weil auf dem Walzwerk typischerweise das wärmeempfindliche Vernetzungssystem zugegeben wird. Das Walzwerk eignet sich besonders für die Feinabstimmung der Mischung und für kleinere Chargen.

In der Praxis werden beide Verfahren häufig kombiniert: Der Innenmischer übernimmt die Hauptmischstufe, das Walzwerk die Fertigstellung und die Einarbeitung des Vernetzungssystems.

Warum die Prozessführung über Werkstoffeigenschaften entscheidet

Compounding ist kein reines Mischverfahren – es ist ein reaktives Verfahren. Temperatur, Mischzeit und Scherenergie beeinflussen, wie gut sich Füllstoffe im Kautschuk verteilen, wie stark der Kautschuk mechanisch abgebaut wird (Mastifikation) und ob Vernetzungsreaktionen ungewollt vorzeitig einsetzen – bekannt als Anvulkanisation oder Scorch.

Füllstoffe wie Ruß und Kieselsäure liegen im Rohzustand als Agglomerate vor – kompakte Partikelverbände, die durch bloßes Verteilen (Distribution) nicht aufgebrochen werden. Erst die hohen Scherkräfte im Innenmischer zerkleinern diese Agglomerate und bringen den Füllstoff in engen Kontakt mit den Polymerketten (Dispersion). Ohne diese Feinverteilung entfalten Füllstoffe ihre verstärkende Wirkung nicht – Zugfestigkeit und Abriebbeständigkeit bleiben weit unter dem erreichbaren Niveau.

Vernetzer und Beschleuniger hingegen dürfen erst bei niedrigeren Temperaturen eingearbeitet werden, um eine kontrollierte Vulkanisation erst im nachgelagerten Prozessschritt zu gewährleisten.

ie Qualität des Compoundings bestimmt damit direkt, ob ein Elastomerin der späteren Anwendung reproduzierbar die geforderten Kennwerte erreicht – ob ein O-Ring die spezifizierte Härte hat, ob eine Profildichtung die gewünschte Kälteflexibilität zeigt oder ob ein Formteil den Druckverformungsrest einhält.

Ein weiteres Prozessrisiko ist die Kreuzkontamination: Rückstände eines Schwefelvernetzungssystems aus einer vorherigen Charge können in einer nachfolgenden peroxidischen FKM- bzw. FPM-Mischung das Vernetzungssystem chemisch stören und die Charge unbrauchbar machen – und das bereits im Grammbereich. Sortenreine Prozessführung und definierte Reinigungszyklen zwischen inkompatiblen Compounds sind deshalb keine optionalen Qualitätsmaßnahmen, sondern Pflicht.

Vom Compound zur verarbeitungsfähigen Mischung

Nach dem Mischprozess liegt das Compound typischerweise als Fell (Walzfell) oder als Streifen vor. Sowohl Extrusionsanlagen als auch Spritzgussmaschinen werden in der Regel mit Endlosstreifen (Fütterstreifen) beschickt, seltener mit vorplattierten Chargen. Granulat kommt in der klassischen Elastomertechnik kaum vor – es ist Thermoplastischen Elastomeren (TPE) vorbehalten.

Für sicherheitskritische Bauteile wie dünne Membranen oder Präzisions-O-Ringe wird das fertige Compound zusätzlich gestrained: Durch Pressen durch ein Feinsieb werden unaufgeschlossene Partikel und Verunreinigungen entfernt, die später zu Fehlstellen im Bauteil führen würden. Das Strainen ist der letzte Schritt vor der Freigabe zur Formgebung und Voraussetzung für eine Null-Fehler-Strategie bei hochwertigen Teilen.

Vor dem Einsatz in der Produktion werden Mischungsproben geprüft – typisch sind Rheometermessungen nach DIN ISO 6502, die das Vulkanisationsverhalten der Mischung charakterisieren, sowie Rohmischungsprüfungen zur Viskosität (Mooney-Viskosität nach DIN ISO 289). Erst bei Freigabe geht die Mischung in die Formgebung.


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