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Weichmacher

Weichmacher sind ein zentraler Bestandteil vieler Gummimischungen (Compounds). Sie werden dem Kautschuk gezielt zugesetzt, um Verarbeitbarkeit, Kälteflexibilität, Härte und Dämpfungsverhalten des späteren Elastomers einzustellen. Ohne passende Weichmachung wären viele Dichtungen, Profile und Formteile bei tiefen Temperaturen zu hart oder ließen sich in der Fertigung nur schwer extrudieren oder spritzen.

Rolle der Weichmacher in der Gummimischung

In Elastomer-Compounds wirken Weichmacher im Wesentlichen zweifach:

  1. In der Mischung (unvulkanisiert):
    • Reduzieren die Viskosität und verbessern das Fließverhalten beim Mischen, Extrudieren und Spritzgießen.
    • Erleichtern die Füllung feiner Konturen bei Formteilen und Dichtlippen.
  1. Im fertigen Elastomer (vulkanisiert):
    • Senken die Glasübergangstemperatur (Tg) und verschieben den thermoelastischen Bereich hin zu niedrigeren Temperaturen.
    • Erhöhen die lteflexibilität: Das Elastomer bleibt auch bei tiefen Temperaturen elastisch, statt glasig-hart zu werden.
    • Beeinflussen rte (Shore A), Dämpfungsverhalten und Rückstellvermö Je nach Sorte kann ein Werkstoff weicher, flexibler oder „gummiger“ eingestellt werden.

Damit tragen Weichmacher entscheidend dazu bei, dass ein Gummibauteil im geplanten Einsatztemperaturbereich seine geforderte Elastizität, Dichtwirkung und Funktionsfähigkeit behält.

Typische Weichmachertypen in Gummimischungen

In Gummimischungen werden vor allem folgende Weichmacher eingesetzt:

  • Weichmacheröle (mineralische Öle, z. B. aromatische, naphthenische oder paraffinische Öle)
  • Synthetische Esterweichmacher, z. B. Phthalate, Adipate, Sebacate (je nach System und Regulatorik)
  • Polymer- oder Harzweichmacher, z. B. niedermolekulare Harze oder Polymere, die mit dem Kautschuk gut mischbar sind

Die Auswahl hängt ab von:

  • Elastomerart (NBR, EPDM, CR, NR, usw.)
  • gewünschter lteflexibilität und Härte
  • Anforderungen an Medienbeständigkeit, Fogging, Emissionen, Regulierung (z. B. phthalatfreie Systeme)

Einfluss auf das thermoelastische Verhalten

Weichmacher lagern sich zwischen die Polymerketten des Kautschuks ein und erhöhen deren Beweglichkeit. Ergebnis:

  • Der Übergang vom glasigen in den gummi-elastischen Zustand verschiebt sich zu niedrigeren Temperaturen.
  • Das Elastomer bleibt im späteren Einsatzfenster länger im elastischen Bereich.

So lässt sich z. B. eine Dichtung so einstellen, dass sie bei –20 °C oder –30 °C noch weich und funktionsfähig ist, statt spröde zu werden und Risse zu bilden.

Migration und Alterung

Weichmacher sind in vielen Systemen nicht kovalent gebunden, sondern physikalisch im Gumminetzwerk gelöst. Dadurch können sie im Laufe der Zeit:

  • im Material diffundieren,
  • an die Oberfläche wandern und dort als leichter Glanz oder klebriger Film in Erscheinung treten,
  • in angrenzende Medien (z. B. Kunststoffe, Öle) teilweise übergehen.

Wie stark diese Migration auftritt, hängt ab von:

  • Weichmachertyp und -molekülgröße,
  • Verträglichkeit mit dem Elastomer,
  • Temperatur, Medienkontakt und Bauteilgeometrie.

Mit zunehmender Migration kann ein Elastomer härter und spröder werden, Kälteflexibilität und Dämpfung nehmen ab. Moderne Rezepturen setzen deshalb häufig auf migrationsarme oder polymergebundene Weichmacher, wenn Langzeitstabilität, geringe Emissionen oder medienkritische Anwendungen gefordert sind.

Bedeutung in der Dichtungstechnik

In der Dichtungs- und Elastomertechnik beeinflussen Weichmacher u. a.:

  • Montagefähigkeit von O-Ringen, Profilen und Dichtlippen (Dehnwege, Knickempfindlichkeit)
  • lteflexibilität von Bau- und Fassadenprofilen, Automobildichtungen oder Haustechnik-Bauteilen
  • Dämpfungs- und Schwingungsverhalten von Lagern, Puffern und Elastomerfedern
  • Langzeitdichtheit, wenn Migration und Alterung berücksichtigt werden

Die gezielte Auswahl von Weichmachertyp und -dosierung ist daher ein wichtiger Stellhebel, um eine Gummimischung anwendungsoptimiert auszulegen – vom weichen, kälteflexiblen Dichtelement bis zum dämpfenden Formteil mit definiertem Rückstellverhalten.


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