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Spaltmaß

Das Spaltmaß bezeichnet den Abstand zwischen zwei benachbarten Bauteilen – zum Beispiel zwischen Welle und Gehäuse oder zwischen zwei Gehäusehälften. Es ist damit ein zentrales Maß für Passgenauigkeit, Fertigungsqualität und Funktionssicherheit. Gleichmäßige, definierte Spaltmaße zeigen, dass Konstruktion und Fertigung sauber aufeinander abgestimmt sind.

In der Konstruktion wird das Spaltmaß nicht nur „optisch schön“ ausgelegt, sondern technisch begründet. Es beeinflusst unter anderem:

  • Montierbarkeit – Bauteile sollen sich fügen lassen, ohne zu klemmen
  • Fertigungstoleranzen – reale Bauteile weichen immer leicht vom Idealmaß ab
  • Temperaturausdehnung – Bauteile dehnen sich unter Temperatur und Belastung aus
  • Funktion und Verschleiß – zu kleine Spalte führen zu Reibung, zu große zu Spiel oder Undichtigkeiten

Beispiele aus der Praxis:

  • Fahrzeug- und Maschinenbau
    Im Karosseriebau entscheidet das Spaltmaß über Erscheinungsbild, Aerodynamik und Geräuschentwicklung. Gleichmäßige Spalte zwischen Türen, Hauben und Stoßfängern reduzieren Luftverwirbelungen, begrenzen Windgeräusche und werden als Qualitätsmerkmal wahrgenommen. Auch im allgemeinen Maschinenbau sorgen definierte Spaltmaße dafür, dass bewegliche Teile spielfrei genug geführt, aber nicht verklemmt werden.
  • Dichtungstechnik und O-Ringe
    Besonders kritisch ist das Spaltmaß bei Dichtungen. Bei O-Ringen, Profil- und Formdichtungen oder PTFE-Dichtelementen spricht man häufig vom Dichtspalt. Ist der Spalt zwischen zwei Bauteilen zu groß – etwa bei hohen Drücken, weichen Elastomeren oder ungünstigen Toleranzketten – kann es zur Spaltextrusion kommen. Dabei wird das Dichtelement in den Spalt hineingepresst, schert an der Kante ab und verliert seine Dichtfunktion. Die Folgen reichen von schleichenden Leckagen bis hin zum Totalausfall der Dichtung.

    Um dieses Risiko zu minimieren, werden:
    • zulässige Spaltmaße abhängig von Druck, Temperatur und Werkstoff definiert,
    • Stützringe eingesetzt, die den Dichtspalt begrenzen,
    • passende Dichtungswerkstoffe (Härte, Elastomer-Typ, ggf. PTFE) gewählt,
    • statische und dynamische Spalte (z. B. Hub- oder Drehbewegung) unterschiedlich ausgelegt.

Bedeutung in der Auslegung

Das passende Spaltmaß ist damit ein zentrales Kriterium bei:

  • der Auslegung von Dichtstellen (O-Ringe, Profile, Formteile, ummantelte Dichtungen),
  • der Konstruktion beweglicher Komponenten (Führungen, Lagerstellen, Ventilsitze),
  • präzisen Funktionsflächen mit hohen Anforderungen an Leckage, Geräusch, Verschleiß oder Optik.

Durch eine durchdachte Spaltmaß-Auslegung – abgestimmt auf Werkstoff, Belastung, Temperatur und Fertigungsprozess – lassen sich die Leistungsfähigkeit von Dichtsystemen erhöhen, Ausfälle reduzieren und gleichzeitig wirtschaftliche Fertigungstoleranzen nutzen.


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